Taschenuhren

Taschenuhren sind etwas Faszinierendes. Es ist eine kleine Welt, die in die Hosentasche passt. Schon die einfachste Taschenuhr ist, vom Nutzen der Zeitangabe abgesehen, immer auch ein ästhetisches Erlebnis. Wir erleben eine vergessene Mechanik, die wir nur noch von den großen alten Uhren an Kirchtürmen oder in Großmutters Stube kennen. Wer eine Taschenuhr in Händen hält, zumal eine reich verzierte alte Taschenuhr, empfindet es als etwas Kostbares. In unserer Computer- und Handyzeit lassen sich wenn überhaupt, nur die Oberflächen begreifen. Das trifft auch auf die Uhren von heute zu, sie bergen kein Geheimnis, sie sagen uns lautlos und glatt die Zeit. Es sind schnelle Uhren, auf die man einen Blick wirft, nebenbei. Taschenuhren sind poetisch, sie machen den Moment bewusst.
Als es zu Beginn des 16. Jahrhunderts dank Peter Henlein aus Nürnberg möglich wurde, eine transportable Uhr zu bauen, war jedes Handwerk auch Handwerkskunst. Teil für Teil wurde sorgsam gearbeitet und immer gehörte ein gewisses Maß an Zierendem zu den Gebrauchsgegenständen. Natürlich waren Uhren zu dieser Zeit noch alles andere als Gebrauchsgegenstände, die ersten waren noch so empfindlich und ungenau, dass sie nur einen Stundenzeiger hatten. Sie waren bauchig und noch recht groß. Es gab neben der Dosenform auch welche, die wie Kreuze, Muscheln, Sterne aussahen. Dann gab es Halsketten mit Uhren, die schon flacher waren und allmählich entwickelte sich die heutige Form der Taschenuhr mit Deckel, die nun auch Minuten und Sekunden anzeigt. Und doch hat auch die modernste Taschenuhr dieses ganz besondere Etwas. Es geht ein Zauber von ihr aus. Wie Kinder die Glasglocke bestaunen, in der eine Landschaft langsam von Schnee überrieselt wird, wenn man sie schüttelt, so geht es wohl den meisten Erwachsenen noch immer mit Taschenuhren.
